| Urlaub |
| Mittwoch, den 04. Mai 2011 um 22:04 Uhr |
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Reisen sind eine große Bereicherung für unser Leben und bei den meisten Personen mit Epilepsie gibt es dagegen auch nichts einzuwenden, insbesondere wenn ein Betroffener gut eingestellt ist. Allerdings können Menschen mit Epilepsie derzeit bei keinem Versicherungsträger eine Reisestornoversicherung abschließen.
Bei Antritt der Reise sollten einige Empfehlungen beachtet werden. Bahn-, Bus und Schiffsreisen Unbedenklich – nur bei Automatismen mit Fluchttendenz im Anfall sollte über eine Begleitperson nachgedacht werden. Auf Schiffen besteht zusätzlich die Gefahr des Überbordfallens bei Sturzanfällen und Grand Mal-Anfällen. Die Einnahme von Medikamenten gegen Reiseübelkeit/Seekrankheit sollte vor der Reise mit dem Arzt abgesprochen werden. Autoreisen Epilepsiepatienten, die einen Führerschein haben und in Österreich einen PKW lenken dürfen, sollten sich vor Reiseantritt über die im jeweiligen Land geltenden Führerscheinrichtlinien informieren, um sicherzustellen, dass sie dort ebenfalls fahren dürfen. Flugreisen/Fernreisen: Nehmen Sie ausreichend Medikamente in Reserve mit und führen Sie diese bei Flugreisen zumindest zum Teil im Handgepäck mit sich. Eine Flugreise ist für Patienten mit Epilepsie in der Regel problemlos möglich. Zur Sicherheit kann eine Begleitperson die vom Arzt verordneten Notfallmedikamente mitführen. Manche Fluggesellschaften möchten gerne vor Reiseantritt über die Erkrankung informiert werden. Dazu sollte der medizinische Dienst der Fluggesellschaft zu Rate gezogen werden – auch um sich gegen eventuelle Ersatzansprüche der Fluggesellschaften abzusichern, falls der Pilot aus Unsicherheit über die Gefährdung eines Patienten im Anfall eine Notlandung veranlasst. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein ein zusätzliches Medikament (Benzodiazepine) vor Antritt des Fluges einzunehmen. Vagusnervstimulator: Sollte bei Ihnen ein VNS implantiert sein, sollten Sie unbedingt ein entsprechendes Attest mitführen um eventuelle Probleme bei den Sicherheitskontrollen zu vermeiden (Metalldetektoren alarmieren). Schlafmangel, Jetlag, Zeitverschiebung Bei Fernreisen ändert sich durch die Zeitverschiebung ihr Schlaf-Wach-Rhythmus (Jet-Lag). Durch unregelmäßigen Schlaf können vermehrt Anfälle ausgelöst werden. Eine entsprechende Bedarfsmedikation bzw. vorbeugende Medikation sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Besonders bei Zeitverschiebungen sollte vorher feststehen, wie man die Medikamentengabe anpasst: Ob durch das Einnehmen einer festgelegten zusätzlichen Dosis bei Reisen nach Westen bzw. das Verringern einer Dosis bei Reisen nach Osten (Tabellen findet man in der Literatur s.u.) oder durch die allmähliche Anpassung der Medikation an die Ortszeit (hilfreich ist dabei eine zusätzliche Uhr mit Weckfunktion). Reisekrankheiten Typische Reisekrankheiten wie Durchfall und Erbrechen sowie Malaria-Prophylaxe/-Therapie und Reise-Impfungen sollten ebenfalls im Vorfeld mit dem Arzt besprochen werden, da einige Medikamente sich nicht mit den Antiepileptika vertragen. Erbrechen und Durchfälle: Grob kann man sagen, bei Erbrechen innerhalb der ersten Stunde nach Medikamenteneinnahme ist die nochmalige Einnahme der gesamten Dosis zu empfehlen. Bei Durchfällen sollte auf Kohletabletten verzichtet werden, da die Aufnahme der Medikamente dadurch beeinträchtigt werden könnte. Alternative: Loperamid (Imodium®). siehe Impfungen Impfungen: Die in Österreich empfohlenen Schutzimpfungen für Säuglinge und Kleinkinder sollten auch bei bekanntem Anfallsleiden durchgeführt werden. Auch die Meningokokkenimpfung, die mit einer etwas erhöhten Inzidenz epileptischer Anfälle einhergeht, kann empfohlen werden. Da es sich bei impfassoziierten Anfällen meist um Fieberkrämpfe handelt, sollte eine prophylaktische fiebersenkende Therapie über einige Tage durchgeführt werden. Über die notwendige Dosierung und die Wahl des Medikamentes wird sie Ihr behandelnder Arzt gerne informieren. Bei Personen mit Epilepsie wird im Allgemeinen von Impfungen gegen Typhus, Paratyphus (Alternative: Schluckimpfung), Gelbfieber und Cholera abgeraten. Es stellt sich die Frage ob man unbedingt ein Urlausland wählen sollte in dem diese Impfungen notwendig sind. Malariaprophylaxe: Das am häufigsten verwendete Medikament, Chloroquin (RESORCHIN®), kann trotz eines gering erhöhten Anfallsrisikos zur Malariaprophylaxe und Notfalltherapie empfohlen werden. Auch Proguanil (PALUDRINE®), Halofantrin (Halfan®) und Doxicyclin gelten als unbedenklich. Von einer Prophylaxe und Notfalltherapie mit Mefloquin (LARIAM®) wird im Allgemeinen abgeraten, stattdessen können Atovaquon (MALERONE®) plus Proguanil empfohlen werden. Zur Therapie mit Artemether und Lumefantrin (Riamet®) gibt es noch zu wenig Erfahrungen. Bitte informieren Sie sich in Ihrem Institut für Reise- und Tropeninstitut über die notwendige Malariaprophylaxe und besprechen Sie dies auch mit Ihrem behandelnden Neurologen.
www.tropenmedizin.de/info/epilepsie.htm www.desitin.cz/index.php/file/download/3559
für den Inhalt verantwortlich Epilepsie Interessensgemeinschaft Österreich / Pless erstellt am 19.5.2011 |